Bettwanzen auf Reisen–Was tun?

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Als Reisender ist eine Sache sicher: man schläft an vielen unterschiedlichen Orten. Da kann es durchaus passieren, dass man eines Morgens mit einer oder auch mehreren seltsamen Reihen an Insektenstichen aufwacht.

Die erste Schlussfolgerung ist möglicherweise, dass es sich bei den Verursachern um eine hochtrainierte Moskitoeinheit handelt. Aber guckt mal genauer hin, denn es könnte sein, dass Ihr etwas anderem zum Opfer gefallen seid – etwas, dass normalerweise den gewöhnlichen Reisenden und nun vermutlich auch Euch leicht hysterisch werden lässt: die erbarmungslose und ungemein gefürchtete Bettwanze!

In diesem Blog-Post möchte ich also mein Bettwanzen-Wissen mit Euch teilen. Dieses habe ich mir angeeignet, während ich im Gastgewerbe gearbeitet habe, speziell in einem Hostel in Neuseeland, wo ein Großteil meiner Arbeitszeit darin bestand, Bettwanzen aufzuspüren und zu bekämpfen. Diese Tätigkeit war übrigens nicht Teil der Anzeige für den Job, wie man sich denken kann…

Dadurch habe ich jedenfalls mehr Bettwanzen gesehen und vernichtet, als es dem durchschnittlichen Menschen zuzumuten ist, und insgesamt Stunden damit verbracht, im Zuge der Spurensuche in winzige Spalten zu spähen.

Und so erzähle ich Euch jetzt, wie Ihr herausfindet, ob Ihr von Bettwanzen beknabbert worden seid; wie Ihr feststellen könnt, ob Ihr wirklich allein seid in Eurem Bett, und was für Maßnahmen Ihr zu Eurem Schutz ergreifen könnt. Doch zuerst: einige… 

Fakten über Bettwanzen!

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Bettwanzen sind eigentlich ziemlich faszinierende kleine Kreaturen! Hier einige kurze Fakten für Euch:

  • Bettwanzen können bis zu einem Jahr ohne Nahrung überleben, besonders bei Kälte. Ihr Temperaturspektrum reicht von –32°C bis zu 45°C. Bei Kälte verfallen sie in eine Art Winterschlaf und erwachen wieder, sobald es wärmer wird.
  • Unter den richtigen Bedingungen kann ein erwachsenes Bettwanzenweibchen innerhalb von sechs Monaten einen Befall von Hundertausenden Bettwanzen verursachen. Und sie ist extrem versiert darin, sich währenddessen im Verborgenen zu halten.
  • Bettwanzensex ist kein Spaß für das Weibchen. Um die notwendigen Flüssigkeiten aufnehmen zu können, muss ihr Panzer durchbohrt werden. Autsch - wäre ich ein Bettwanzenweibchen, würde ich auch jemanden beißen wollen…
  • Bettwanzen mögen Bettwanzen. Sie geben ein Pheromon ab, von dem sich andere Bettwanzen angezogen fühlen. Was für soziale kleine Wesen.
  • Bettwanzen sind vermutlich größer als Ihr denkt, vor allem im Erwachsenenstadium, das sie aber erst nach fünf anderen Stadien erreichen. (Ich persönlich fand die eine Pubertät ja schon mehr als genug.) Sie werden bis zu einem halben Zentimeter groß, wenn sie ausgewachsen sind, und sind somit für das bloße Auge sichtbar.
  • Sie finden ihre Opfer unter anderem durch deren ausgeatmetes Kohlendioxyd und ihre Körperwärme.
  • Bettwanzen sind so ziemlich genauso begeistert vom Reisen wie Ihr auch. Sie (oder ihre Eier) reisen heimlich per Anhalter in Eurer Kleidung oder auf Eurem Rucksack mit, bis es ihnen an einem neuen Ort mit viel frischem Blut besser gefällt. Daher ist es auch alles andere als einfach, sie von gut besuchten Betten mit ständig wechselnden Gästen fernzuhalten.

Wie Ihr wisst, ob Ihr gebissen worden seid

Wie auch mit anderen Insektenstichen reagiert jeder Mensch verschieden auf Bettwanzenbisse. Es kann sein, dass Ihr schon total oft gebissen worden seid und nie etwas davon mitbekommen habt; es ist aber genauso gut möglich, dass Ihr einen üblen Ausschlag mit fiesen Pusteln, Blasen, oder Beulen wie bei Mückenstichen bekommt. Aus diesem Grund ist eine Diagnose auch nicht immer einfach. Übrigens: ältere Leute bleiben zumeist von irritierenden Hautreaktionen verschont.

Am einfachsten lässt sich die Sache verifizieren, indem man sich das Muster der rotgeschwollenen Stiche oder Bisse anguckt: Bettwanzen saugen sich oft auf einer imaginären Linie an mehreren Stellen ihre Mahlzeit zusammen. Man könnte auch sagen, dass sie methodisch vorgehen!

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So erkennt man dann drei oder mehr Bisse auf einer Linie. Wie oft die Wanze zubeißt, kommt zum Beispiel darauf an, ob sie bei ihrem Mahl gestört wird, oder ob sich die ersten Versuche nicht wirklich gelohnt haben.

Es kann außerdem eine ganze Weile dauern, bis die Bisse sichtbar werden – manchmal bis zu zwei Wochen! Das macht es schwer, genau zu bestimmen, was einen wann und wo gebissen hat. Deswegen werden die Bisse auch oft als Mückenstiche abgetan, und man stört sich nicht weiter dran.

Bettwanzen bevorzugen Stellen, die nicht von Kleidung bedeckt sind, was zu wissen einem aber nicht viel bringt, wenn man sich zum Beispiel in tropischen Gegenden aufhält. Und Bisse in Achselhöhlen oder Kniekehlen kommen kaum jemals vor.

Bettwanzen in Eurem Zimmer oder Bett – die Warnsignale!

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Weit verbreitet, aber falsch, ist die Annahme, dass es Bettwanzen nur dort gibt, wo es schmuddelig und unordentlich ist. Das ist leider nicht wahr – in dem Hostel, in dem ich gearbeitet habe, waren alle echt absolut fanatisch bezüglich der Sauberkeit und der Bettwanzenbekämpfung, und trotzdem wurden wir immer mal wieder fündig.

Wenn Eure Unterkunft natürlich schon auf den ersten Blick keinen besonders vertrauenswerten Eindruck macht, was die Sauberkeit betrifft, spricht das nicht dafür, dass die Besitzer alles dafür geben, bettwanzenfrei zu sein und bleiben. Und obwohl also Sauberkeit kein Garant für Wanzenfreiheit ist, macht Dreck die Sache definitiv nicht besser.

Aber wie genau findet Ihr heraus, ob Ihr nicht allein im Bett schlaft? Hier einige Hinweise:

  • Bettwanzen sind recht schüchtern und zurückhaltend. Sie sind eher nachtaktiv und verstecken sich tagsüber; nach Möglichkeit nicht zu weit entfernt von ihrem Nachtmahl. Es lohnt sich also eine Inspektion des Bettrahmens – und aller möglichen Ritzen in der Nähe des Bettes. Das beinhalt Gardinen- und Fußleisten, Türrahmen, und sogar Schraubenköpfe.
  • Bettwanzen können eine schwärzliche Substanz hinterlassen. Die lässt sich zum Beispiel möglicherweise auf dem Bettlaken finden, wenn Ihr in der Nacht gebissen worden seid. Auch der Bettrahmen eignet sich hier zur Spurensuche. Schwarze Spuren um eine kleines Loch oder eine Ritze herum sind ein guter Indikator für die Anwesenheit unserer kleinen Freunde. Lässt sich die Substanz leicht verschmieren, wurde sie erst kürzlich hinterlassen.
  • Bettwanzen haben einen charakteristischen Geruch, mit dem sie andere Bettwanzen anlocken. Riecht ein bisschen nach Stinkkäfer.
  • Bettwanzen können je nach Wachstumsstadium in sechs verschiedenen Größen daher kommen, von winzig bis leicht mit dem bloßen Auge erkennbar. Es gibt also eine Reihe von Formen und Größen, nach denen man Ausschau halten muss.
  • Bettwanzen sind keine großen Fans von Hitze oder einer übermäßigen Menge an Kohlendioxyd. Wenn Ihr eine Wanze in einer Ritze vermutet, könnt Ihr entweder versuchen, in diese hinein zu atmen, oder mit einem Fön auf niedriger Stufe hineinblasen. Das kann sie dazu veranlassen, ihr Versteck aufzugeben, bzw. so kann man sie unschädlich machen. Mit letzterer Methode besteht allerdings auch die Gefahr, dass man ihre Eier im ganzen Raum verteilt. Die Qual der Wahl. 
  • Wer gebissen worden ist, findet möglicherweise am nächsten Morgen Blutspuren auf dem Laken. Das ist allerdings kein eindeutiger Beweis für die Anwesenheit von Wanzen, da sie auch von einem anderen Insektenstich verursacht sein könnten.

Was mache ich, wenn ich gebissen worden bin?800px-Adult_bed_bug,_Cimex_lectularius

Wenn Ihr meint, dass Ihr von Wanzen gebissen worden seid, bleibt erst mal ganz ruhig. Die Bisse können jucken, furchtbar aussehen und generell nerven, aber Wanzen sind soweit nicht als Träger und Weiterverbreiter von irgendwelchen Krankheiten bekannt. So gesehen ist man mit einem Wanzenbiss sogar besser dran als mit einem Moskitostich!   

Ihr solltet aber die Ansprechpartner von Eurer Unterkunft über Euren Verdacht informieren, und zwar aus folgenden zwei Gründen:

  • Wenn das Problem bei Eurer derzeitigen Unterkunft liegt, müssen sie informiert werden, damit sie entsprechende Maßnahmen gegen einen Befall ergreifen können.
  • Sollten Eure Bisse von einer vorherigen Unterkunft stammen, besteht die Möglichkeit, dass Ihr Wanzen oder deren Eier mit Euch mitgebracht habt. Eure derzeitige Unterkunft kann so ein Auge offen halten, falls Probleme auftauchen. Erwartet nur nicht, dass sie sich bei Euch dafür überschwänglich bedanken.

Wenn Ihr Eure Unterkunft informiert, können verschiedene Dinge passieren. Erst mal ist es unwahrscheinlich, dass die Unterkunft zugeben wird, dass sie Wanzen hat, selbst wenn sie es insgeheim annehmen muss. Wer offen zugibt, Bettwanzen zu haben, kann genauso gut sagen, dass bei ihm die Pest umgeht. Die kleinen Viecher haben bekanntermaßen keinen besonders guten Ruf. Wenn Ihr also ohne Beweis, sprich: eine Bettwanzenleiche, ankommt, erwartet nicht, dass die Unterkunft Verantwortung für Eure Bisse übernimmt.

Außerdem ist nun mal so, dass der Biss unter Umständen erst viel später sichtbar wird. Von daher könnte Eure Unterkunft sogar im Recht sein, wenn sie jede Schuld von sich weist, und stattdessen Euch verdächtigt, das Problem in ihr bislang wanzenfreies Etablissement gebracht zu haben. Wie dem auch sei, es ist eine effektive Praktik, um Euch den schwarzen Peter zuzuschieben. Und da so die Möglichkeit besteht, dass Ihr Schuld an der Sache habt, werdet Ihr das Interesse verlieren, daraus ein großes Ding zu machen.

Allerdings solltet Ihr trotzdem verfolgen können, dass die Verantwortlichen von Eurer Unterkunft professionell und umsichtig handeln und sich Mühe geben, sicher zu gehen, dass bei ihnen alles in Ordnung ist. Bei meinem Arbeitsplatz wurde bei jedem Verdacht das entsprechende Zimmer komplett auseinandergenommen, bis hin zu den Bettrahmen. Jede gefundene Wanze wurde vernichtet, und alle Löcher und Ritzen in Holz und Metall mit einer Heißluftpistole sterilisiert. Dem Gast wurde jedoch niemals mitgeteilt, wenn tatsächlich Wanzen oder Eier gefunden wurden.

Behandlung der Bisse

Die Behandlung von Wanzenbissen entspricht im Grunde genommen derjenigen von Insektenstichen generell. Salben und Antihistaminika können Linderung verschaffen, und es ist sehr ratsam, sich nicht zu kratzen, da das zu Infektionen führen kann.

Bei einer wirklich schlimmen Reaktion ist es auch möglich, einen Arzt aufzusuchen, der einem mit einem stärkeren Mittel weiterhelfen kann.

Im Endeffekt bleibt Euch jedoch nicht viel anderes übrig, als darauf zu warten, dass die Bisse wieder abschwellen.

Wie man Bettwanzen los wird

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Die schlechte Nachricht ist, dass es fast unmöglich ist, in gut besuchten Häusern wie Hostels oder Hotels Bettwanzen komplett loszuwerden. Das liegt daran, dass selbst wenn es einem gelingt, tatsächlich jedes einzelne Ei, jede Nymphe und jede erwachsene Bettwanze auszumerzen, nur ein einziges schwangeres Weibchen auftauchen muss, um einen neuen Befall zu verursachen. Ein wärmeres Klima verschlimmert die Problematik, da es den Wanzen dabei hilft, sich schneller zu vermehren.

In dieser Situation bleibt einem nur übrig, so gut wie möglich Herr der Lage zu bleiben. Das bedeutet regelmäßige Inspektionen der Schlafstätten, die Versiegelung von Ritzen und Löchern, und möglicherweise auch mal den Einsatz von einem Pestizid. Damit lässt sich einigermaßen gewährleisten, dass die Sache niemals total außer Kontrolle gerät und in einen ernsthaften Befall ausartet. Man kann ein paar Bisse hin und wieder vielleicht nicht verhindern, aber solange diese Situationen zu vergleichen sind mit ein oder zwei Moskitos im Raum, hat man das Ganze noch im Griff. 

Apropos Pestizide: deren Einsatz ist nicht ganz unproblematisch. Wirksame Schädlingsbekämpfungsmittel, die alle Stadien der Bettwanze effizient abtöten, haben auch auf Menschen negative Effekte. Räume auszugasen ist letztendlich weitaus gefährlicher für die Gesundheit als es ein paar Wanzenbisse jemals sein könnten. Tatsächlich sterben vermutlich mehr Menschen an den Folgen dieser Chemiebomben als an Wanzenbissen.

Produkte, die gegen Bettwanzen helfen können

Es gibt ein paar Produkte, die dabei helfen können, zu verhindern, dass man Bettwanzen mit zurück ins eigene Heim bringt, und auch solche, die die Schädlinge generell töten. Mit Produkten auf natürlicher Basis, die abschreckend, aber nicht abtötend wirken, kommt man leider nicht weit. Wirksam sind Präparate mit synthetischen Pyrethroiden, wie z.B. Permethrin, Phenothrin, Cypermethrin (Achtung: diese Stoffe dürfen nicht mit Katzen in Kontakt kommen!).

  • Dieses Anti-Bettwanzen-Spray eignet sich wohl am Besten, um auf Reisen zum Schutz und zur Vorsorge mitgenommen zu werden. Bitte vor der Anwendung immer sorgfältig die beiliegenden Informationen lesen!
  • Andere Produkte, die in die gleiche Kategorie fallen, sind zum Beispiel dieses Bayer Spezial-Spray, das Bettwanzenspray BedBuXX 200, oder das Envira Effect Insektenspray. Die letzten beiden eignen sich nicht wirklich zum Mitnehmen auf Reisen (obwohl man das Envira Effect theoretisch in einen kleineren Pump-Spray-Behälter umfüllen könnte), aber vermitteln vielleicht, nach welchen Wirkstoffen Ihr prinzipiell Ausschau halten solltet.

Solltet Ihr trotzdem nach der Reise die unangenehme Entdeckung machen, dass Ihr bei Euch zu Hause auf einmal jede Menge neuer Mitbewohner habt, ist es vermutlich sinnvoll, einen Fachmann anzuheuern. Dieser wird sicherlich mit jeder Menge Chemie ans Werk gehen, und es kann sein, dass Ihr für einen kurzen Zeitraum ausziehen müsst, aber nur so lässt sich sicher stellen, dass das Problem ein für allemal gelöst wird.

Und das war’s von uns zum Thema Bettwanzen! Ihr seid herzlich eingeladen, einen Kommentar zu hinterlassen, Erfahrungen zu teilen, Horror-Fotos zu posten… Wir wünschen Euch trotz allem viele gute (wanzenfreie) Reisen, und vergesst nicht: Gute Nacht… Gebt auf die Wanzen Acht!

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